Heilpflanze des Jahres 2020: Die gewöhnliche Wegwarte (cichorium intybus)

Wegwarte-Blüte - Bild © moonlight 3 auf Pixabay

Die diesjährige Wahl traf eine unserer „Lieblingspflanzen“. Im letzten heißen Sommer war sie häufig an Straßen und Wegen zu sehen und hat uns mit ihren blauen Blüten begeistert. Wir sind ihr auf unseren Kräuterwanderungen oft begegnet und haben die Blüten auch in unseren Menüs verwendet.

Es ist nicht immer einfach, sie an Orten zu finden, an denen auch gesammelt werden kann, da sie es liebt an Wegrändern (logisch, wenn man so heißt!) zu erscheinen. Sie ist quasi die „Mutter“ vieler Salatpflanzen, wie Chicorée, Radicchio und Endivie. Die enthaltenen Bitterstoffe wirken sich positiv auf die Verdauung aus. Früher wurde sie auch in größerem Umfang der Wurzel wegen angebaut, vor allem um in Kaffeegetränken Verwendung zu finden (Muckefuck).

Wegen ihres auffallenden Blautons in der Blüte war sie auch eine in Zauberdingen wichtige Pflanze, vor allem in Liebeszaubern, und vielleicht war sie auch die Blaue Blume der Romantik, in ein paar Gedichten und Sagen taucht sie auf: das verlassene, am Wege nach dem Geliebten ausschauende Mädchen wird in eine Wegwarte verwandelt…gilt natürlich nur für blauäugige Mädchen…

Nervenkekse

(in Anlehnung an das Original der hl. Hildegard)

1 Tl Muskat (frisch gerieben)
1 Tl Zimtpulver
1 Tl Lebkuchengewürz
½ – 1 Tl  Zimtblüte, Fenchel, Anis …gemörsert
200g Dinkelmehl Vollkorn
200g Dinkelmehl 1050 (ersatzweise 630)
200g Honig
250 g Butter
2 El Vollkornbrösel oder Haferflocken
2 El Mandeln gehackt
2 El Maronen gehackt und geröstet
1 El Haselnüsse gemahlen
1 El Öl (Walnuss)

Höchstens 3 pro Tag davon essen wegen der Menge an Muskatnuss; ungeeignet für Kinder.

Die gekochten Maronen hacken, rösten, auf einem Teller abkühlen lassen, in der Resthitze die Haferflocken ein wenig anrösten.

Die Gewürze vorbereiten.

Ein  Teil Mehl auf der Arbeitsfläche mit der Butter hacken. Das restliche Mehl in einer Schüssel mit den Gewürzen, den Maronen, den Nüssen, den Mandeln und den Bröseln/Flocken gut vermischen.

Den Honig und das Öl dazugeben, sorgfältig vermengen, dann zur Mehl-Butter-Mischung aufs Backbrett geben und alles zusammen kneten.

Bei Bedarf noch etwas Mehl nachgeben. Rollen formen und kühlen, mindestens 6 Stunden. Taler von den Rollen abschneiden und bei etwa 200°C für10 Minuten auf der mittleren Schiene backen.

Löwenzahnkonfekt

Löwenzahnwurzeln (bevorzugt Herbstwurzeln, da weniger bitter) säubern, klein hacken und auf einem Backblech bei 200°C in 10-15 Minuten dunkelbraun rösten. Dann abkühlen lassen und mahlen, zum Beispiel mit einer Kaffeemühle.

Etwa 90g geschälte und gemahlene Mandeln, 8g des Wurzelpulvers und 60g gezuckerte Kondensmilch gut verrühren. 1 Esslöffel Cognac oder Likör dazugeben. 75g Zartbitter-Kuvertüre schmelzen und wenn sie flüssig ist mit dem Mandelmus vermengen. Kleine Kugeln formen und sofort in einer Mischung aus Wurzelpulver und Kakaopulver wälzen. Kalt stellen.

Ergibt etwa 30 Stück.

Aus: Journal Heil&Kraut Nr. 2, Sommer 2018

Klare Linsensuppe mit Linsen-Wan-Tan

– nach einem Rezept aus „essen&trinken“

Für die Brühe

10g getrocknete Steinpilze
50g braune Linsen
100g Zwiebeln
Knoblauch
evtl. Speck
200g Kartoffeln
80g Möhren
80g Petersilienwurzel
100g Knollensellerie

6 Stiele glatte Petersilie
1/4 l Gemüsefond
1 Lorbeerblatt
8 Stiele Thymian
Pfeffer

Steinpilze in 100 ml lauwarmem Wasser einweichen. Braune Linsen spülen, abtropfen und in reichlich kochendem Wasser ca. 20 Minuten garen.Salzen kurz vor Ende der Garzeit und dann in einem Sieb abtropfen lassen. 

Kartoffeln, Möhren, Petersilienwurzel und Knollensellerie putzen, schälen und in 1-2 cm große Würfel schneiden.

Öl in einem großen Topf erhitzen, Zwiebel, Knoblauch, (Speck) darin 2 Minuten andünsten, restliches Gemüse  zugeben.

Gemüsefond hinzugießen. Glatte Petersilie grob zerkleinert hinzufügen. Lorbeerblatt, Thymian, Pfeffer und abgegossene Pilze hinzugeben.

20 Minuten bei milder Hitze kochen lassen, dann abgießen. Nicht drücken, weil die Brühe sonst trüb wird.

Für die Linsen-Wan-Tan

8 Stiele glatte Petersilie
30g Gemüsemischung (von der Brühe)

Petersilie fein schneiden. Gemüsemischung, die gekochten Linsen und drei Viertel der Petersilie fein pürieren und kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken.

½ Teelöffel dieser Füllung jeweils auf vorbereitete Wan-Tan Blätter legen, die Ränder mit Wasser befeuchten und zu Halbmonden verschließen. In der Brühe mit erhitzen (2 Minuten), in tiefen Tellern mit reichlich Wildkräutern (Knoblauchrauke, Pimpinelle, Giersch, Spitzwegerich etc.) und eventuell Gemüse von der Brühe servieren.

Alle Jahre wieder! – Kücheninspirationen

Unser Bericht…

Wenn der Sommer zu Ende ist, fangen in unseren Breiten alle Köchinnen und Köche an, anders zu würzen, anderes zuzubereiten, und wenn es dann in die Advents- und Weihnachtszeit geht, hat man so richtig Lust auf Zimt, Nelken, Muskat und vieles mehr.

Das wollten wir mit einer kleineren Gruppe zusammen zelebrieren und so luden wir erstmals ein zu „Alle Jahre wieder!“

Beim Kaffee mit Apfelbrot machten wir uns bekannt und besprachen die einzelnen Projekte.

In der Küche starteten zwei Frauen mit der Herstellung des Wildfruchtsenfs, gleichzeitig wurden die Holunderbeeren für die Holunder-Essig-Reduktion kräftig aufgekocht. Im Seminarraum nahm das Löwenzahwurzel-Konfekt bald Formen an. Nebenan wurden die vielen Gewürze (Muskatnuss, Zimtrinde, Zimtblüte, Nelkenblüte etc.) für die „Nervenplätzchen“ gemörsert und mit Butter unter das Mehl gemengt. Am großen Tisch standen bald viele Fläschchen, in die mit großer Sorgfalt Weißdornbeeren  und Vanilleschote für den Herzwein gefüllt wurden.


Es roch überwältigend und es entwickelte sich „entspannte Geschäftigkeit“.

Wer schon fertig war, schmökerte in den Kochbüchern, fachsimpelte mit den Anderen. Zum Abschluss sollte das gemeinsame Essen kommen. Also übernahmen einige die Herstellung von gefüllten Wan-Tan-Täschchen, die dann der vorbereiteten klaren Linsensuppe (Rezept folgt) zugegeben wurden.

Den Abschluss bildete  ein warmer Pflaumenröster (natürlich auch mit entsprechenden Gewürzen) und gut gekühlte Vanillesahne….andächtige Stille!

Die Rezepte zur bzw. aus der Veranstaltung:

Klare Linsensuppe mit Linsen-Wan-Tan

Apfel-Nuss-Brot

Zwetschgenröster

Nervenkekse

Löwenzahnkonfekt


Schätze des Sommers

Üblicherweise gehen wir bei unseren Veranstaltungen zusammen los in unsere Lieblingssammelgebiete, erklären, was wir finden, ernten, was wir benötigen, kochen zusammen und essen natürlich hinterher gemeinsam. Aber wir nehmen nichts mit, um es für später aufzubewahren.

Bei „Die Schätze des Sommers“ wollten wir zeigen, was man aus den gesammelten Kräutern und Früchten herstellen kann, um zu einem späteren Zeitpunkt etwas Gutes für die Küche oder Körperpflege zur Verfügung zu haben.


Also bauten wir für die Teilnehmerinnen Tische mit verschiedenen Arbeitsplätzen auf. Sie konnten Kräutersträußchen binden zum Mitkochen in Eintopf oder Sauce, im Mörser Kräutersalz herstellen, Essig mit Kräutern und Früchten aromatisieren, Fußpuder machen, Salbe kochen und Räucherbündel wickeln. Außerdem wurde gezeigt, wie man aus verschiedenen Früchten, Gemüsen und Gewürzen ein aromatisches Chutney zubereitet.


Und das gab es nicht nur zum Mitnehmen nach Hause, das wurde gleich zum Probieren zum Essen gereicht. Außerdem kamen warme Blätterteigecken, Couscoussalat mit Roten Beten und zum Nachtisch Pflaumen-Tiramisu auf den Tisch.

Sehen, fühlen, schmecken

– war das Motto der diesjährigen Apotheken-Wanderung.

Wie schon im letzten Jahr sprach die Hof-Apotheke Hungen eine Einladung zur Kräuterwanderung aus: am 17.08.2019 begrüßten das Ehepaar Anhäuser und wir Kräuterfrauen die Interessierten auf dem Parkplatz am Bürgerhaus Steinheim (Hungen). Wer wollte, bekam Stift und Block für die Notizen mit auf den Weg.

Die Gruppe verließ den Ort und entdeckte schon gleich erste Heilkräuter, die es in unterschiedlicher Zubereitung auch in der Apotheke zu kaufen gibt. Johanniskraut, Brennnesseln, Schafgarbe und Spitzwegerich wuchsen direkt am Weg. An einem Blühstreifen gab es Ringelblumen zu sehen, Baldrian stand an einem Graben und weiter oben am Hügel konnte anhand einer Weide über die Entstehung eines sehr bekannten Schmerzmittels erzählt werden.

Unter angeregten Gesprächen erreichten alle den „Gipfel“ des Hügels und nachdem man kurz die Fernsicht bewundert hatte, fiel der Blick auf ein Tischchen, das dort mitten in der Wiese stand. Ana und ich hatten vor dem Start bereits eine kleine Erfrischung dort deponiert, so dass alle zugreifen konnten: Bällchen aus Schaffrischkäse in Blüten bzw. Kräuter gehüllt, kleine frittierte Röllchen mit Beinwellblättern und eine Blüten-Fruchtlimonade.

Am Fuße des Hügels, als man zum Abschluss im Kreis zusammen stand, erzählte ein Steinheimer Teilnehmer noch kurz über dieses besondere Streuobstgebiet, den „Kaltenrain“ , den wir sehr zu schätzen wissen und den wir immer wieder gerne aufsuchen.