Im Sommer, wenn die Tage lang sind und die Temperaturen steigen, erlangen viele Pflanzen einen Zustand, der sie heilende Kräfte entfalten lässt. In dieser Jahreszeit können wir viel für unser Wohlbefinden tun: zu allererst natürlich, dadurch, dass wir den Anblick und den Duft mit offenem Herzen genießen.
Wir können Blüten und erste Früchte in Getränken und Speisen zu uns nehmen und dann können wir auch, wenn eine Pflanze reichlich vorhanden ist, etwas für unsere Vorräte sammeln, trocknen, oder in Salz, Öl, Essig weiterverarbeiten. Oder, wie Ana und ich das am 24. Juli bei „Johanniskraut und die Sommerheilkräuter“ zeigen wollen, eine pflegende Salbe herstellen.
Damit wollen wir auch um 16 Uhr gleich beginnen, damit sie Zeit hat, während wir unseren Spaziergang machen, auszukühlen. Wenn wir zurückkommen, gibt es die Möglichkeit, aus einer Anzahl von wirksamen Pflanzen eine sommerliche, entspannende Teemischung nach eigenen Geschmacksvorlieben herzustellen. Mit dem Genuss einer grünen Gazpacho und einer frischen Limonadenvariation beschließen wir den Nachmittag.
Im letzten Herbst, Ende Oktober, habe ich an einem schönen und trockenen Tag im Wald Fichtenzapfen und -nadeln, sowie Douglasiennadeln gesammelt. Rosmarinzweige hatte ich aus dem Garten und alles zusammen kam in ein Glas mit Olivenöl. Da ruhte es bis vor ein paar Tagen und ich hatte vor, dieses Öl zur Gelenkmassage zu verwenden. Ich siebte also ab und der Geruch nach „Wald“ war so deutlich und angenehm, und mir lief dermaßen das Wasser im Mund zusammen, dass ich jetzt beschlossen habe, diese Flasche nicht ins Bad sondern in die Küche zu stellen. Es wird sehr bald Pasta mit Pilzen, Möhren und Waldöl geben…
Das ist übrigens der Vorteil, wenn man dem Grundsatz folgt, Körperpflege nur mit Komponenten zu verwenden, die man auch essen könnte. Normalerweise ist damit die völlige Abwesenheit von Konservierungsstoffen, synth. Farbstoffen etc. gemeint. Aber hier ist mal so: ich pflege quasi meine Gelenke von innen!
Anmerkung: zur Nachahmung nur empfohlen, wenn man sicher ist, keine giftige Eibe vor sich zu haben!
Von diesem Jahr ist auf dem Kalender nicht mehr viel übrig. Und was für ein Jahr war das! Ich erinnere mich an unsere Pläne für die neue Saison, den neuen Flyer, wie wir das alles organisieren wollten, Veranstaltungen, eigene Weiterbildungen, Exkursionen, neue Wege usw…
Wir freuten uns sehr, dass schon im Februar und März lebhaft gebucht wurde. Dann kam der Lockdown und wir sagten Termine wieder ab, erst mal drei. Vorsichtige Öffnung Ende Mai. Nach einigen Gesprächen mit dem Gesundheitsamt erfolgte eine Planänderung: einiges ging, wie zusammen wandern in kleiner Gruppe – anderes nicht, wie zusammen kochen und essen in geschlossenen Räumen. Bis Oktober immerhin haben wir uns dann ein paarmal mit Kräuterbegeisterten treffen können. Ausgerechnet das Angebot, das wir letztes Jahr neu erfunden und „alle Jahre wieder“ genannt hatten, konnte dieses Jahr nicht „wieder“ stattfinden.
Wir wollen jedoch nicht klagen. Auf dem Land zu leben hat uns schon immer gefallen, unter diesen Umständen war und ist es ein Segen. Die Möglichkeiten, sich im Garten, in Feld und Wald zu bewegen, sind gar nicht genug zu würdigen. Und das wird auch im bevorstehenden Winter unser „Schatz“ sein.
Und natürlich folgen wir der alten Weisheit: „gut essen und trinken hält Leib und Seele zusammen“. Damit uns da nicht langweilig wird, probieren wir momentan einiges Neue aus. Daran lassen wir euch natürlich teilhaben. Und so findet ihr hier immer mal ungewöhnliche Rezepte aus Garten, Feld und Wald. Es lohnt sich natürlich auch in den alten Rezepten mal zu stöbern.
Was wir dieses Jahr nicht machen, ist, bereits neue Termine für 2021 bekannt zu geben. Ana und ich wollen erstmal abwarten, wie die Dinge sich über den Winter entwickeln. Wir haben aber schon einige Ideen zu unseren Veranstaltungen im neuen Jahr: • 9-WildKräuter für eine Grüne Sauce • Holunder – ein Termin, bei dem es nur um den “Hollerbusch“ gehen soll, ein Holunderbeeren-Tiramisu ist geplant! • Essbare Baumblätter • Kreatives aus und mit Pflanzen z.B. Pflanzentinte oder -farben.
Wenn und sobald es möglich ist, werden wir hier und in einer Rundmail informieren.
Wir bedanken uns bei Euch Kräutermenschen für Euer Interesse und für die schönen gemeinsamen Stunden. Allen, die uns hier besuchen, wünschen wir eine gesunde Winterzeit!
Bei bestem Herbstwetter machte sich unsere Gruppe auf den Weg. Wir wollten zum „Grohberg“, einem nahe beim Nabu-Zentrum „Alter Bahnhof“ (bei Trais-Horloff, Hungen) gelegenen Basalt-Hügel. Vorher hatten wir die einzelnen Projekte besprochen und so wurden an den Hecken, die dort am Grohberg das Grünland einrahmen, Hagebutten und einige Schlehen gesammelt, auf einer Wiese Samen der Brennnessel geerntet, Beifuß, Ringelblume und Fenchelsaat vom Blühacker, Spitzwegerich und Schafgarbe von der Wiese.
Unsere Wanderung auf den Grohberg
Brennnesselsamen für das Gewürzsalz sammeln
Hagebuttenernte
Dank des guten Wetters konnten die Zubereitungen draußen an Einzeltischen stattfinden. Ana koordinierte das Zubereiten des Hagebuttenlikörs, den Ansatz der Schlehen-Oliven und das Komponieren des Gewürzsalzes. Ich wärmte inzwischen die vorbereiteten „Äpfel im Schlafrock“ und die Vanillesauce auf und brachte sie zusammen mit dem herb-säuerlichen Schlehenpüree auf die Teller… andächtiges Schweigen 😉
Danach gingen aber die angeregten Gespräche weiter und so kam es, dass wir, wieder einmal, mit der geplanten Zeit nicht hinkamen. Aber, Gutes braucht Raum und Zeit!
Gewürzsalz-Mischung mit Brennnesselsamen und Engelwurz
Apfel im Schlafrock auf Schlehenpüree und Vanillesauce
Ana Farago-Macht (li) und Renate Hecht (re)
Da zwar die Kräuter-Saison endet, aber das Jahr noch nicht ganz um ist, überlegen wir gerade, ob wir im Winterhalbjahr Wanderungen anbieten, denn das wäre, egal, wie sich die Pandemie – Lage weiter entwickelt, möglich und auch sinnvoll. Bewegung und frische Luft sind gut für uns. Meldet euch also gerne, wenn ihr dazu Ideen habt oder interessiert seid. Eine Teilnehmerin hat schon Interesse an einer Sylvester-Wanderung bekundet und wir finden die Idee schon mal gut!
Der Wetterbericht sagte Kälte und Regen vorher, und wo in Frankfurt noch ein leiser Sonnenstrahl leichte Hoffnung weckte, wurde die Vorhersage in Hungen voll bestätigt. Der Nebel hing tief, ein feiner Regenstaub fiel und weitere sich am Ende der Exkursion zu einem ordentlichen Dauerregen aus. Die kleine Gruppe, bestehend aus Mitgliedern der Bürgerinitiative für den Erhalt der Grünen Lunge am Günthersburgpark e.V. und des BUND, die sich zu dieser Kräuterwanderung in Hungen zusammengefunden hatte, wurde auf dem Bahnhof von den beiden Expertinnen Renate Hecht und Ana Farago-Macht herzlich empfangen.
Gleich zu Anfang wurden wir informiert, dass der
ursprünglich geplante Weg um den Hof Grass herum nicht mehr zu begehen war,
weil ihn die Aktivitäten der Biber unter Wasser gesetzt hatten. Es gab aufgeräumte
Kommentare und noch im Wärmegefühl des Zuges ging es dann vom Bahnhof durch die
Stadt hinaus zur Horloff.
Das einem unvoreingenommenen Beobachter riesig erscheinende
Schienengelände bildete einen ersten Haltepunkt, die Schotterpflanzen der
Gleisbetten das Thema. Alsbald ein Rest der Stadtmauer mit entsprechender Flora,
z.B. dem Zimbelkraut, einem frühen Neophyten, das an schattigen, luftfeuchten
Mauern wächst. Den beiden Frauen von „Kraut
und Kochen“ gelang eine faszinierende Mischung aus historischer und
naturkundlicher Führung. Im Durchgang zum Innenhof des Schlosses wird vor der Gedenktafel
für Georg Ludwig Hartig kurz an einen der wichtigsten Förderer der nachhaltigen
Forstwirtschaft erinnert. Ein uralter Basaltweg im Schlosshof ist ebenfalls
eine Betrachtung wert. In der Innenstadt verkosten wir den Süßen, den der Naturschutzbund
von seinen Streuobstwiesen keltert, bevor wir hinunter an die Horloff spazieren.
Eine stillgelegte Kornmühle mit einem kaum noch erkennbaren Mühlgraben;
Böschungen, die sich als ehemalige, jetzt überwachsene Halden der früheren
Bergbautätigkeit erweisen; Vulkanaufschlüsse; der Inheidener Teich, eine ehemalige
Braunkohlegrube – interessante historische Details werden mit immer wachem
Blick auf die Pflanzen und ihre Heilwirkungen verknüpft: es entwickelten sich
lebhafte Gespräche über Nutzung und Wirkung von Brennnessel, Wegerich,
Weißdorn, Hagebutte und vielen anderen. Nach zweieinhalb Stunden informativer Wanderung
im Regen war die Gruppe dann aber doch froh, als der alte Bahnhof von Trais-Horloff
erreicht war, Stützpunkt des Naturschutzbundes Horlofftal. In der hellen Stube
wurde die Gruppe mit ofenwarmem Focaccia und Kräuterbutter sowie danach einer
heißen, köstlichen, bunten Gartensuppe mit Graupen und Wildkräutern versorgt.
Anschließen gab es Kaffee und Pflaumenkuchen vom Blech mit Sahne.
Die Zeit zur Rückfahrt nahte. Vom Bahnsteig vor dem Bahnhof aus warfen wir einen letzten Blick auf die Gänsweid, ein wichtiges Feuchtbiotop in der Horloffaue, mit seinen unzähligen Schwänen, Enten und Silberreihern. Bald darauf lief schon der Zug nach Gießen ein. Die Teilnehmer waren trotz der Unbill des Wetters sehr zufrieden und verabredeten mit unseren freundlichen Expertinnen und Köchinnen Kontakte für die Zukunft.
(Bericht und Foto: Folkhart Funk)
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