Blätter in der Küche

Kaum begonnen, hat der Sommer letzten Samstag schon so richtig gezeigt, was er kann. Also haben wir, um trotzdem unsere Exkursion durchführen zu können, einen Weg im Wald gewählt.

Vor dem Start ins Grüne gab es aber, nach kurzer Begrüßung, ein bisschen Theorie zum Thema: was macht das Chlorophyll in den Pflanzen und warum sollten Menschen reichlich davon zu sich nehmen? – Als geeignete Pflanze ist hier vor allem die Brennnessel zu nennen, aber auch Giersch und Löwenzahn, Vogelmiere und Wegerich können uns mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen bestens versorgen.

Vor dem kühlen Wald mussten wir einen kleinen Hügel hinauf, und so schnell wie diesmal waren wir noch nie da oben. Wir wollten uns so wenig wie möglich der Sonne aussetzen. Aber bei einer Linde, einer Eiche und einem Kirschbaum machten wir trotzdem kurz halt. Im Wald erklärten wir anhand von Buchenlaub die Herstellung von sog. Streckmehlen, die früher in mühevoller Arbeit hergestellt wurden, um das Brotmehl sparsam einsetzen zu können.

Am Weg entdeckten wir Waldziest, der wie Champignon schmeckt, Knoblauchrauke, Klette, wilden Hopfen. Auch Nadelbäume können mit ihrem Waldgeschmack die Küche bereichern.

Zurück am alten Bahnhof wurden schnell Tische und Stühle in den kühleren Hausschatten gestellt und der erste Gang serviert: Eine Kräuterkaltschale mit einer kleinen gebackenen Tomate, dazu Brötchen aus „gestrecktem“ Mehl. Der Hauptgang bestand aus Röllchen von Borretschblättern mit einer Graupenfüllung und das Dessert bescherte den Höhepunkt: Schokomuffin mit einer sahnigen, süßen Spinat-Creme und Beeren. Das begleitende Getränk war Apfelsaftschorle mit einem Schuss Minze-Zimt-Sirup.

Ana und ich machen jetzt eine kleine Sommerpause und freuen uns auf unsere Veranstaltungen im Herbst. Wir wünschen allen einen schönen Sommer mit viel Draußenzeit und jeder Menge grüner Genüsse!


Grüne Sauce (2025)

Endlich unser Saisonstart! – Endlich wieder „Grüne Sauce“!

Eine recht große Gruppe traf sich am 5. April im NABU-Zentrum „Alter Bahnhof“ in Trais-Horloff, um das hessische Traditionsgericht einmal in einer „wilden“ Variante kennenzulernen. Unsere Exkursion führte uns auf den „Kaltenrain“, ein nach Süden geneigtes Streuobstgebiet.

Dort machten wir uns auf die Suche nach den frischen Kräutern, die wir in die schon vorbereitete Saucengrundlage einarbeiten wollten. Wir fanden Gänseblümchen, Sauerampfer, Wiesenschaumkraut, Wiesenknopf, wilden Schnittlauch, Spitzwegerich und Giersch. Alles war sehr klein und zierlich, überall war der Wassermangel durch den ausbleibenden Regen zu spüren. Die Obstbaumblüte und die gute Aussicht vom Hügel waren allerdings atemberaubend.

Zurück im Zentrum organisierten wir uns und schälten die Kartoffeln, richteten Eihälften an, schnitten die Kräuter und deckten den Tisch draußen auf der Wiese. Die Sauce wurde sehr gelobt, auch die lactosefreie Variante kam gut an. Fachsimpeleien, Rezeptempfehlungen, schöne Gespräche….und dann kam noch der Nachtisch: ein Schokoladenkunstwerk mit einer Sauce aus Wildfrüchten!

Vielen Dank für den zauberhaften Nachmittag!

Saisonabschluss mit dem Thema „Gewürze“

Kraut&Kochen, Trais-Horloff, 26.10.204

„Goldener Oktober“ vom Allerfeinsten begleitete unsere letzte Veranstaltung 2024. Es war eine kleinere Gruppe, aber sehr aufgeschlossen für das Thema, das Ana vorbereitet hatte. Wir starteten mit einer kleinen Vorspeise, gebackenen Auberginen mit griechischem Joghurt, entsprechend gewürzt natürlich, und bestreut mit Granatapfelkernen. Dazu Gewürz-Brot und Safran-Butter, sowie Kräuterbutter.

In ihrem Vortrag ging Ana speziell auf die Zwiebelfamilie (Liliengewächse) ein, die Lippenblütler, wie Thymian, Rosmarin etc. sowie Safran, Pfefferarten, Wachholder und Lorbeer. Es hätte noch so viel mehr gegeben, aber das könnte nächstes Jahr ein Thema werden. Alle wollten auch raus in die Herbstsonne, das gelbe Laub, pinke Pfaffenhütchen, Wachholder, frisch sprossende Knoblauchsrauke etc. Zurück im NABU-Zentrum wurde das Blumenkohl-Curry fertiggestellt, eine frisch geröstete würzige Samenmischung gab es zum Drüberstreuen. Und den Abschluss machte ein duftender Orangenkuchen (ohne Mehl übrigens) mit Mandeln bestreut, der von einem würzigen Kompott begleitet wurde. Wir lassen ja gerne abstimmen, welches Rezept auf die Website gestellt werden soll: der Orangenkuchen hat gewonnen!

Wir danken all den Menschen, die dieses Jahr bei uns waren, mitgewandert sind und uns ihre Zeit und Aufmerksamkeit so großzügig geschenkt haben. Wir hoffen, dass alle spüren können, wie viel uns daran liegt, diese tiefe Verbindung mit dem, was die Natur uns an Schätzen, Genuss und Freude gibt, mit euch zu teilen.

Wir machen jetzt ein bißchen „Winterschlaf“, melden uns aber vermutlich schon im Dezember mit ersten Ideen und Plänen für nächstes Jahr zurück!

Blüten in der Küche

Am 6.7.24 waren „Blüten in der Küche“ unser Thema, ein richtiges Sommerthema und wir hatten auch ein bißchen Wetterglück. Ein kleiner Schauer während die ersten Teilnehmer:innen eintrafen und dann wieder Sonnenschein.

Das erste Kraut fanden wir gleich im Garten des Nabu-Zentrums „Alter Bahnhof“, unserem Treffpunkt. Die Kleine Braunelle, eigentlich eher zu Heilzwecken anwendbar und ziemlich bitter, blüht gerade an vielen Orten in Rasen und Wiese, oft direkt neben dem Klee, der ein Allrounder ist mit leicht süßlichen Geschmack.

Wir setzten unseren Weg fort mitten durch das kleine Naturschutzgebiet mit seinen vielen Wasserbewohnern wie Bisam und Blässhuhn mit Jungen. Überall kann man momentan das Mädesüß entdecken, Vanillearoma pur und damit in der süßen Küche ein Gewinn. Das Johanniskraut, diesen Sommer allgegenwärtig, kam unter anderem auch in unsere Blütenbutter.

Die Wilde Möhre blüht jetzt gerade und ist dank des vielen Regens nicht zu übersehen. Wichtig ist zur sicheren Identifizierung auf die kleine rötliche oder schwarze Mittelblüte zu achten. Schon gibt es erste grüne Früchte, die in herzhaften Gerichten eingesetzt werden können. Begeistert waren (fast 😉 alle vom Aroma der Fenchelblüten auf einem ehemaligen Blühstreifen. Und Gänseblümchen natürlich, die nach jeder Mahd sofort wieder mit ihren Blüten erscheinen und jeden Salat bereichern.

Zurück im Alten Bahnhof gab es viele Aufgaben für alle Teilnehmer:innen: Die Blütenbutter musste fertiggestellt werden, die Flammkuchen wurden mit Blüten und vorbereitetem Gemüse sehr kunstvoll belegt, die Salatschiffchen befüllt…und dann wurde geschlemmt! Begleitet wurden alle Gerichte von Blüten-Kräuter-Limonade, selbst am Vortag angesetzt und gut durchgezogen.

Verdienter Applaus für Ana, als nach der Kirschtorte mit Mädesüß – Creme als Dessert wirklich jeder Aspekt von „Blüten in der Küche“ in der Praxis gezeigt wurde.

Zweimal wilde „Grüne Sauce“

Unterschiedlicher hätte das Wetter bei den beiden Terminen nicht sein können: Einmal T-Shirt-Wetter und zuletzt Bibber-Temperaturen. Aber es hat allen, die dabei waren, Spaß gemacht, wie wir am Feedback ablesen durften.

Nach eingehender Besprechung der in Frage kommenden Pflanzen wurde unter den blühenden Obstbäumen des Steinheimer Streuobstwiesengebiets „Kalterrain“ nach Arten getrennt gesammelt: Spitzwegerich, Giersch, Gänseblümchen, Knoblauchsrauke, Löwenzahn, Pimpinelle und Spitzwegerich.

Nach unserer Rückkehr ins NABU-Zentrum „Alter Bahnhof“ ging es dann ans Vor- und Zubereiten: Kräuter fein schneiden, Eier schälen und einen Berg Kartoffeln pellen für den Hauptgang, die wilde „Grüne Sauce“. Währenddessen erhitzte Ana im Wok die Vorspeise, Spaghetti mit Hopfenspargel. Die Nachspeise, ein Rhabarberkuchen mit Mandelkruste (beim ersten Termin eine Creme aus Seidentofu) wartete schon fertig in der Küche.

Das gemeinsame Essen in großer Runde ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Veranstaltungen: Alle sitzen am Tisch, Fragen können gestellt, Rezepte ausgetauscht und Erfahrungen geteilt werden. Und wenn dann noch ein paar Leute helfen, die Küche wieder aufzuräumen, ist es eine gelungene Veranstaltung!